Abmahnung Waldorf Frommer

  • Einen schönen Freitagnachmittag wünsch ich allen Abmahnopfern,


    Das Forum hier kannte ich noch nicht. Bisher war ich nur auf der abmahnwahn-dreipage unterwegs. Und eigentlich dachte ich auch, dass die Angelegenheit inzwischen erledigt wäre. Aber manchmal holt einen dann die Vergangenheit doch wieder ein.


    Die Vorgeschichte kurz erzählt:

    2010 im Dezember kam eine Abmahnung reingeflattert wegen Filesharings von 2 Musikalben. Danach folgte die hier schon mal genannte Abarbeitung des 10-Punkte-Plans von Waldorf Frommer. Das zog sich bis 2013 hin. In der Zeit blieb ich standhaft und führte bis auf die Zusendung der modifizierten Unterlassungserklärung keinerlei Kommunikation mit den Abmahnanwälten. Für mich erachtete ich die Sache mit Ablauf des Jahres 2013 als verjährt.


    Jetzt scheint WF neues Blut gewittert zu haben. Heute flatterte unerwartet ein neuer Brief ins Haus:


    WF schrieb:

    10 Jahre Verjährungsfrist bei Anspruch auf Zahlung des Lizenzschadens


    Der BGH hat in einem parallel gelagerten Filesharing-Verfahren (Az. I ZR 48/15 - Everytime we touch) bestätigt, dass der Anspruch auf Zahlung des Lizenzschadens frühestens in zehn Jahren verjährt:


    "Gemäß §102 Satz 2 UrhG findet §852 BGB entsprechende Anwendung, wenn der Verpflichtete durch die Verletzung auf Kosten des Berechtigten etwas erlangt hat. Danach ist der Ersatzpflichtige auch nach Eintritt der Verjährung des Anspruchs auf Ersatz des aus einer Verletzung des Urheberrechts entstandenen Schadens zur Herausgabe nach den Vorschriften über die Herausgabe einer ungerechtfertigten Bereicherung verpflichtet (§852 Satz 1 BGB). Dieser Anspruch verjährt nach §852 Satz 2 BGB in zehn Jahren von seiner Entstehung an und ohne Rücksicht auf seine Entstehung in 30 Jahren von der Begehung der Verletzungshandlung oder dem sonstigen den Schaden auslösenden Ereignis an." (BGH, 12.05.2016, Az. I ZR 48/15 - Everytime we touch)


    Interessant dabei ist die Kalkulation:


    2010 wollten sie noch 1.xxx€ haben. Dabei waren ~60% Schadenersatz und ~40% Anwaltskosten. Im Verjährungsjahr 2013 stieg der Preis schon um 200€ durch die höheren Anwaltskosten.


    Die jetzt geforderte Gesamtforderung entspricht in etwa (nicht genau) dem Betrag von 2013. Allerdings wird jetzt gedroht, dass pro Musiktitel 200€ berechnet werden können und ich demzufolge mit einem noch höheren Betrag rechnen müsste. Als Vergleichsangebot:


    WF schrieb:

    1. Die Verpflichtung zur Zahlung der Gesamtforderung in Höhe von EUR 1.xxx wird durch fristgerechte Rücksendung der beigefügten Erklärung bestätigt.


    Gefunden hab ich dazu das hier:

    https://www.wbs-law.de/urheber…fuer-lizenzschaden-69905/


    Das würde dann bedeuten, dass die Anwälte jetzt alle "gratis" arbeiten und dafür die Schadenssumme um ihre früher berechneten Anwaltskosten erhöhen. Im Nachhinein bedeutet das: Die Verjährungsfrist wurde einfach von 3 auf 10 Jahre erhöht. Leider blick ich bei dem Urteilstext noch wesentlich weniger durch als noch bei der Ursprungsabmahnung.


    Muss ich mir jetzt Sorgen machen?

  • Umsonst arbeiten die Anwälte mit Sicherheit nicht. Es hat sich lediglich das Verhältnis aus dem verändert, was Anwalt und was Rechteinhaber bekommen. Sie nennen´s halt inzwischen nur anders. Mit anderen Worten: Früher hat der Rechteinhaber 600 und der Anwalt 300€ vom Kuchen abgekriegt...inzwischen ist aber durch die Rechtslage der Kuchen geschrumpft und er wird einfach nur anders geschnitten :-D

  • Weiß jemand, ob W+F etwas gegen Einwurf-Einschreiben haben?

    haben sie nicht. (wäre mir übrigens auch egal. Hauptsache der "Kunde" reagiert überhaupt )


    Leider blick ich bei dem Urteilstext noch wesentlich weniger durch als noch bei der Ursprungsabmahnung.

    mir scheint dass das Wichtigste geflissentlich überlesen wird.

    Zitat

    10 Jahre Verjährungsfrist bei Anspruch auf Zahlung des Lizenzschadens

    Ob überhaupt ein Anspruch besteht, muss vorher noch geklärt werden.

  • Hallo,


    Ich lebe in Deutschland seit Juni 2015.

    Im Juli 2016 habe ich auf der Seite PopcornTime einen Film zu schauen begonnen, da mir zu dem Zeitpunkt nicht bewusst war, dass diese Seite in Deutschland illegal ist (aus anderen Ländern kenne ich das anders). Da ich jedoch nicht ganz sicher über die rechtliche Situation in D. war, habe ich bereits nach vier Minuten aufgehört. Ich habe den Film für die vier Minuten lediglich gestreamt, nicht runtergeladen oder weiterverbreitet.

    Nach zwei Monaten habe ich überraschenderweise eine Mahnung von der Kanzlei Waldorf und Frommer mit einer Strafe in Höhe von 915€ bekommen. Da ich aufgrund der geschilderten Umstände diese Forderung völlig unangemessen fand oder einen Betrug dieser Kanzlei vermutete, habe ich nicht auf den Brief reagiert.

    In diesem Zeitraum war ich schwer krank, danach für eine Zeit arbeitslos und anschließend damit beschäftigt, für die Pruefungen zu lernen, weshalb ich der Angelegenheit keine große Aufmerksamkeit gewidmet habe.

    Seitdem habe ich in Abständen einige Mahnungen bekommen (letzte am 29.06.2018), auf die ich nie reagiert habe. Am 16.03.19 kam schließlich ein Mahnbescheid vom Amtsgericht Wedding über eine Summe von 1361,90€.

    Meine Frage nun: Wie schätzen Sie meine Chance ein, diese absurde Strafe für vier Minuten unbewusst illegales Streaming eines Films nicht bezahlen zu müssen?


    Viele Grüße

  • mir scheint dass das Wichtigste geflissentlich überlesen wird.

    Ob überhaupt ein Anspruch besteht, muss vorher noch geklärt werden.

    Und wie sieht diese Klärung aus? Also geh ich mal davon aus, dass der Brief von WF eher eine Art schlechter Versuch ist, mir noch mal Angst einzujagen. Ich hoffe mal, dass sie mich jetzt nicht die restlichen 2 Jahre bis zur 10-Jahres-Verjährungsfrist mit ihren Drohbriefen bombardieren.


    Hallo,


    Ich lebe in Deutschland seit Juni 2015.

    Im Juli 2016 habe ich auf der Seite PopcornTime einen Film zu schauen begonnen, da mir zu dem Zeitpunkt nicht bewusst war, dass diese Seite in Deutschland illegal ist (aus anderen Ländern kenne ich das anders). Da ich jedoch nicht ganz sicher über die rechtliche Situation in D. war, habe ich bereits nach vier Minuten aufgehört. Ich habe den Film für die vier Minuten lediglich gestreamt, nicht runtergeladen oder weiterverbreitet.


    In diesem Textfragment stecken schon mal viele falsche Aussagen drin. Popcorn Time kannte ich bisher nicht. Google hat mir aber gleich im ersten Treffer offenbart, dass die Seite mit Torrents arbeitet. Und das erklärt dann auch wieder die Abmahnung.


    Für reines Streaming, d.h. Das Runterladen des Filmes ohne Speicherung wirst du sehr wahrscheinlich nie abgemahnt werden. Denn der Dir anlastbare Schaden wäre nur in der Höhe des Verkaufspreises eines Datenträgers, also ca. 20-30€. Davon könnten die Abmahnanwälte nie leben.


    Die Abmahnung bei Torrent kommt zustande, weil du im gleichen Maße das Heruntergeladene anderen Nutzern wieder zur Verfügung stellst, also hochlädst. Die Abmahnanwälte nehmen dann als Schadenssumme den Betrag an, der einer Lizenzierung als Händler entspricht, d.h. gewerbsmäßiger Verkauf des Werks. Und dazu reicht den Anwälten bereits ein hochgeladenes IP-Paket, weshalb auch die 4 Minuten schon ausreichend sind.

  • Und wie sieht diese Klärung aus?

    Da müsste die Sache eben vor Geicht geklärt werden wie heute schon bei der 3 Jährigen V-Frist.

    Mit allem pipapo nebst exhumierung evtl. verstorbener Zeugen und so.

    eine Art schlechter Versuch ist

    wenn er bezweckt hat was er soll, wars ein guter...

    Ich hoffe mal, dass sie mich jetzt nicht die restlichen 2 Jahre bis zur 10-Jahres-Verjährungsfrist mit ihren Drohbriefen bombardieren.

    wäre das schlimmer als zu zahlen?

  • einfach in Youtube "Popcorn Time Abmahnung" angeben und Videos von RA anschauen. Fast die Haelfte der abmahnungen sind wegen einem Streaming durch Popcorn!!!!

  • Danke an alle Vorheriger Schreiber und den Threadersteller mit den vielen hilfreichen Hinweisen und Dokumenten.


    Habe am 20. von den Wali's ebenfalls ein Schreiben bekommen mit 915Euronen.


    Ist das eigentlich normal bzw. dürfen die einem nur knapp 1 Woche Zeit lassen für die UE (Wobei natürlich die hier in den Dokumenten verwendet wird ;) )


    Werde dann erstmal abwarten was passiert.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Halbling ()

  • Naja, ich finde eine Woche Zeit ist doch genug, um ein hier vorgerfertigtes Schreiben abzutippen und zur Post zu tragen.
    Aus der Sicht des Abmahners ebenso, denn der will ja schnellstmöglich erreichen, dass eine Wiederholungsgefahr ausgeräumt wird.


    Achja, was passiert, steht schon im Beitrag #1 dieses Thread. Da muss man keine Wahrsagereigenschaft besitzen

  • Hallo zusammen,


    auch ich habe meinen Mahnbescheid heute erhalten.....

    Das dem widersprochen wird ist klar, dafür habe ich mich 2010 ja schon entschieden.

    Zu meiner Frage: der Lizenzschaden verlief sich 2010 auf 700 euro, laut Mahnbescheid sind es jetzt 2000 euro!!!!!

    Ist dieser Betrag rechtes und gegebenenfalls seitens Waldorf auch einklagbar?

    Bezieht sich der Widerspruch dann nur auf einen Teil des Anspruchs oder insgesamt?


    lg

  • Hallo Leute,

    Im Juli 2016 habe ich von W+F eine Abmahnung erhalten. Damals einen Rechtsanwalt eingeschalten wegen der UE; neu in Deutschland und komplett ausgeflippt damals. Vorher hatte ich noch einen Bettelbrief erhalten.

    Gestern kam der gerichtliche Mahnbescheid. Widerspruch eingelegt und zurückgeschickt.

    Meine Fragen:

    1. ich werde ab Mitte April für über ein Monat nicht in Deutschland sein. Was passiert, falls ich von dem Gericht Post bekomme und nicht hier bin?

    2. welche Verpflichtungen habe ich dem Anwalt von damals gegenüber, falls ich mich doch für eine Einigung mit W+F (ohne eine vorherige Besprechung mit dem Anwalt) entscheide?


    Vielen Dank für jede Hilfe.

  • Das dem widersprochen wird ist klar, dafür habe ich mich 2010 ja schon entschieden.


    der Lizenzschaden verlief sich 2010 auf 700 euro, laut Mahnbescheid sind es jetzt 2000 euro!!!!!

    servus,

    also "Verstoß" nebst Abmahnung 2010 ...und kein Mahnbescheid in 2013 erst jetzt?

    Ist dieser Betrag rechtes und gegebenenfalls seitens Waldorf auch einklagbar?

    das soll (8 Jahre später) mal ein Gericht entscheiden

    Bezieht sich der Widerspruch dann nur auf einen Teil des Anspruchs oder insgesamt?

    wenn Du das Kreuz bei "insgesamt" machst (das ist normal) dann widersprichst Du der Forderung insgesamt. Egal welcher Betrag da gefordert wird.

    Und ob diese Forderung der Höhe nach oder überhaupt berechtigt ist, interessiert immo selbst das Gericht nicht.

  • Was passiert, falls ich von dem Gericht Post bekomme und nicht hier bin?

    jetzt haben wir Ende März....

    Das Mahngericht informiert den Antragsteller (Waldorf) dass Du widerspruch eingelegt hast und legt eine Kostenrechnung für ein streitiges Verfahren bei.

    Jetzt ist es an Waldorf zu entscheiden ob er den (möglichen) Anspruch weiter verfolgen will.


    Bei "Kunden" welche schon eine Brieffreundschaft mit ihm eingegangen sind und sich ausgeheult haben ist die Möglichkeit mMn viel höher.


    Wenn ja, muss erst mal eine Gerichtsgebühr für das weitere Verfahren bei dem dafür zuständigen Gericht eingezahlt werden.


    Und bis es evtl. mal soweit ist, bist Du wieder zurück in D

  • Hallo


    also "Verstoß" nebst Abmahnung 2010 ...und kein Mahnbescheid in 2013 erst jetzt?

    Schriftverkehr:

    April 2010: Abmahnung, Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung

    Juli 2010: Letzte Frist

    August 2012: Vorbereitung Klageverfahren

    September 2012: Vorbereitung Klageverfahren abgeschlossen

    Dezember 2018: Zahlungsaufforderung vor Klageerhebung

    März 2019: Mahnbescheid

    wenn Du das Kreuz bei "insgesamt" machst (das ist normal) dann widersprichst Du der Forderung insgesamt. Egal welcher Betrag da gefordert wird.

    okay, danke

  • Hallo,

    Folgende Ausgangslage:

    Ursprüngliche Forderung aus 2010
    UE nach Muster im Oktober 2010

    2017, nach 7 Jahren "Sendepause" Schreiben von Rhein-Inkasso

    Widerspruch nach Muster

    Noch in 2017 gerichtlicher Mahnbescheid

    Widerspruch

    Nach fast 1,5 Jahren jetzt die Mitteilung des AG-Stuttgart, dass, ich zitiere: "Die Voraussetzungen für die Abgabe des Verfahrens liegen nunmehr vor. Demgemäß ist der Rechtsstreit zur Durchführung des streitigen Verfahrens an das Amtsgericht ... abgegeben worden. Diesem Gericht bleibt die Prüfung der Zuständigkeit vorbehalten."


    Spricht viel dafür, dass das Inkasssounternehmen jetzt Klage einreicht, oder?



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