Streaming-Abmahnung durch U+C

  • Achtung!




    Zum Grundkurs für Neuabgemahnte gehts hierlang





    Nicht vergessen ...


    Abmahnungen für die Statistik können hier anonym eingetragen werden.




    Was sonst noch abgemahnt wird, ist in der Abmahndatenbank zu finden.

  • Eine nicht unerhebliche Anzahl von Internetnutzern erhielten in den letzten Tagen Post von einer einschlägig bekannten Kanzlei.
    Neu daran ist, dass hier erstmalig Abmahnungen ausgesprochen wurden, die sich auf die Nutzung eines Streamingangebotes beziehen.


    Im Gegensatz zum Filesharing haben wir hier eine Komponente mehr, den Streaminghoster bzw. Stream-Anbieter.


    Was bisher bekannt ist.


    Stream-Anbieter: RedTube


    Ermittlungsfirma: nicht angegeben


    Rechteinhaber: The Archiv [lexicon]AG[/lexicon]; CH-8303 Bassersdorf - Firmenhistorie
    ...alte Bekannte


    Bekannte Werke des Rechteinhabers (RI):
    Amanda’s Secrets
    Dreamtrip
    Glamour Show Girls
    Hot Stories
    Miriam’s Adventures


    Abmahner: siehe oben


    Die Abmahnung im Inhalt.


    Dem Abgemahnten wird vorgeworfen durch die Nutzung eines Streamingangebotes und dem damit technisch verbundenen latenten Zwischenspeichern, das Werk des o.a. RI nach § 16 UrhG vervielfältigt zu haben. Eine rechtmäßige Nutzung jener Kopie sei ohne Zustimmung des RI nicht möglich (Verweis zu [lexicon]AG[/lexicon] Leipzig, Urteil, Az. 200 Ls 390 Js 184/11 vom 21.122011)
    Daraus resultierend entstünden nach § 97 UrhG Anspruch auf Unterlassung und Schadensersatz.


    Ermittlungsdatensatz:
    - Datum und Uhrzeit der unterstellten Rechtsverletzung
    - IP-Adresse
    - Produktname / Filmtitel (siehe oben, bekannte Werke des RI
    - Benutzerkennung (*)
    - Link zum Video – bestehend aus Domainname/6-stelliger Index


    (*) Bei dieser Nutzenkennung handelt nach erster Analyse um einen Teil der T-COM/ Internet-Zugangsdaten und nicht wie vermutet, um den Registrierungszugang bei RedTube.


    Forderungen
    Vernichtung einer eventuell vorhandenen Kopie
    Schadensersatz: 15,50 EUR
    Pauschale Aufwendung zur Ermittlung: 65,00 EUR
    Daraus ergibt sich aus dem Streitwert von 1.080,50 EUR eine RA-Gebühr von 169,50 EUR (einschließend der 20 EUR Postpauschale).


    Geforderte Betrag: 250 EUR


    Ratenzahlung wird angeboten, wobei je Rate eine Bearbeitungsgebühr von 2 EUR erhoben wird.


    Als Anlage ist ein Vorschlag einer Unterlassungserklärung beigelegt, die – wie sollte es auch anders sein – ein Schuldeingeständnis sowohl für Täter-, als auch für den Störerfall darstellt, sowie eine Zahlungsverpflichtung beinhaltet.


    Allgemeine (pers.) Wertung


    Ob es Zufall ist, dass – zeitgleich mit dem Beginn von festgestellten Rechtsverletzungen - die Vermögenswerte von RedTube an den Globalplayer der Ewachsenenunterhaltung, der Manwin Holding im ‚Tausch’ von Beteiligungen übereignet wurden, kann man nicht sagen. Fakt ist jedoch, die Luxemburger Manwin hat Büros u.a. auch in Hamburg und bedient Anbieter wie YouPorn, Spankwire, ExtremeTube, KeezMovies, Mofos, ExtremeTube, JuicyBoys (Quelle).
    Dass man bei einem zur Manwin-Holding gehörenden Portal auf offensichtlich rechtswidrig erstellte Kopien treffen soll, ist für einen Nutzer nicht ersichtlich.


    Von den jüngst bekannten Abmahnungen bezieht sich der Zeitraum der angeblich festgestellten Rechtsverletzungen ausschließlich auf den August 2013 und für Telekom-Nutzer und entsprechend Gestattungsbeschluss des LG Köln.


    Der moralische Aspekt der Abmahnung gepaart mit einem – im Verhältnis zu sonstigen Tauschbörsenabmahnungen – relativ geringen Forderungsbetrag soll wohl hier eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Doch selbst 250 EUR sollten es das nicht wert sein, auch wenn dadurch die Gattin erfahren sollte, dass man gern ergänzend mit ihr, auch mit Miriam zum virtuellen Abenteuer bei RedTube aufbricht.


    Die spannendste Frage wird wohl für alle sein, wie kommt die nicht genannte Ermittlungsfirma an die IPs, der Nutzer, die sich die Videos ansehen. Kurz, wir wissen es (noch) nicht, aber wir haben Theorien.
    - aktive Beteiligung des Streamanbieters
    - die Videos, die über einen Uploadaccount bei RedTube hochgeladen werden, enthalten einen ‚Schad’-Code, der die IP und Uhrzeit von jedem Streamkonsument an die ‚Ermittlungsfirma’ sendet.


    In Anlehnung an den [lexicon]Grundkurs[/lexicon], kann man allgemein nur sagen, dass im Gegensatz der Behauptungen in der Abmahnungen:
    - die Offensichtlichkeit einer rechtswidrigen Quelle keinesfalls gegeben ist.
    - die Nutzung von Streamingangeboten keineswegs rechtlich eindeutig geklärt ist und hier nicht § 44a UhrG gelten soll.


    Gerade in Anbetracht völlig ungeklärter Ermittlungsvorgänge (IP-Adressen) und deren Beweiskraft...
    1. [lexicon]mod.UE[/lexicon]
    2. Akteneinsicht beim [lexicon]Landgericht[/lexicon] beantragen
    3. Ich würde keinen Cent bezahlen


    PS. Nach Prüfung der in den bekannten Abmahnungen angegebenen Links, verwies keiner (mehr) auf einen der oben angegebenen Filmtitel. Mehr noch. Bis auf 31 Videos aus der Rubrik ‚Glamour Show Girls‚ konnte über die SuFu des Portals keine entsprechenden Titel gefunden werden. Soviel Neugier musste sein...

  • Moin Moin,



    wenn die Daten nicht von redtube "freiwillig" herausgegen wurden, dann halte ich einen "honeypot" tatsächlich für am wahrscheinlichsten. Das ist auch einer der Gründe warum ich diese seltsame Paranoia im Moment nicht nachvollziehen kann. Ich halte es für ausgeschlossen, dass die bekannten Rechteinhaber und Kanzleien auf den Zug aufspringen werden.
    Urmann und Collegen ist da ein ziemlicher Coup gelungen, aber die Erlangung der IP-Adressen ist so windig, ebenso wie die Rechtslage, dass ich nicht denke, dass sich das in nächster Zeit wiederholen kann.


    MIt freundlichen Grüßen


    Dr. Alexander Wachs
    -Rechtsanwalt-

  • Der eigentliche Skandal ist doch wie es zur "Auflösung" der IP-Adressen kommen konnte.
    Sollte es hier tatsächlich einen LG-Beschluss geben, sollte man mE mal die entspr. Richter zur Verantwortung ziehen...(das kann`s ja wohl nicht geben, guckt da einer überhaupt noch genau hin?)

  • Sollte es hier tatsächlich einen LG-Beschluss geben...

    Eine Kopie des Beschluss liegt den Abmahnungen zwar nicht bei, jedoch sind die [lexicon]Az[/lexicon]. im Abmahnschreiben aufgeführt.
    Indizien, an der Echtheit der [lexicon]Az[/lexicon]. zu zweifeln können nicht erkannt werden, da es sich im Auskunftsverfahren lt. Geschäftsverteilungsplan des LG Köln (Rn 49) um bekannten Abteilungen der Kammern im Auskunftsverfahren nach § 101 Abs. 9 UrhG handelt.

  • sollte man mE mal die entspr. Richter zur Verantwortung ziehen...

    Wie soll das gehen? Die Richter erhalten irgendeinen Nachweis der IP-Adressermittlung und einen Fresszettel, aus dem die angebliche Rechteinhaberschaft hervorgeht. Das muss, wie auch bei Filesharing-Angelegenheiten, den Richtern genügen. Die Behauptung einer Rechteverletzung wird ja hier nicht genauer hinterfragt. Unter Umständen ist den Richtern nicht mal aufgefallen, dass es sich um etwas anderes als Filesharing handelt. Bei Fließbandtätigkeiten rutscht ja schnell mal ein Fehler durch...


    Genaueres wird man hier sicherlich erst erfahren, wenn der Auskunftsbeschluss vorliegt. Vielleicht kann uns ja Dr. Wachs bei Gelegenheit erhellen?

  • ..., jedoch sind die [lexicon]Az[/lexicon]. im Abmahnschreiben aufgeführt....


    Man kann hier nur empfehlen, sich die Beschlussakte mal genauer anzusehen (ich kann`s nicht glauben...). Beschwerdemöglichkeit!
    Das Vorgehen dieser "Truppe" ist so offensichtlich....., aber unsere Richter ermöglichen diese Abzocke erst... Man erinnere nur mal an den "Pseudo-Rechteinhaber" Digiprotect, die mit Untersützung unserer Justiz jahrelang kassieren durften sich dann noch kurzfristig in FDUDM2(!) umbenannt haben um sich dann anschließend in den Konkurs "erarbeiteten" Ruhestand zu begeben. Glückwunsch!
    Man sollte das ganze eigentlich nur ignorieren, das Traurige ist aber, dass man auch hier tatsächlich nicht ausschließen kann, dass "solche Leute" vor Gericht auch noch gehört werden.

  • "honeypot"

    Mir ist nicht erklärlich, wie sowas (technisch) funktionieren soll.
    Anders als bei Spekulationen von Heise und anderen wurde wohl die IP-Adresse und nicht eine redtube-Benutzerkennung zur Ermittlung der Klarnamen verwendet, sonst wäre es ja nicht zu einem Auskunftsbeschluss gekommen. Da aber auf den Abmahnungen (wenigstens zum Teil) auch redtube-Benutzerkennungen angegeben sind, kann die ganze Sache nur mit Kooperation von redtube zustande gekommen sein, etwa so:

    • redtube sammelt IP-Adressen (und ggf. Benutzerkennungen) von Streamern des "Werkes"
    • U+C und/oder der Rechteinhaber "erwerben" einen Block von IP-Adressen von redtube (wird als "Ermittlungskosten" ausgewiesen!)
    • U+C beantragen die Beauskunftung im Auftrag des RI
    • Telekom liefert brav die Daten
    • U+C mahnen ab

    Das Ganze muss sehr schnell gegangen sein, da die notwendigen Verkehrsdaten (welche IP-Adresse war wann welchem Kunden zugewiesen) nur wenige Tage gespeichert werden (dürfen).

  • Da aber auf den Abmahnungen (wenigstens zum Teil) auch redtube-Benutzerkennungen angegeben sind,...

    Diese Darstellung ist auf diversen Blogs ist schlicht und ergreifend falsch, bzw. schlecht recherchiert.


    Bei der in der Abmahnung angegebene Benutzerkennung handelt es sich nicht um eine Zugangskennung, die man bei der Registrierung bei RedTube benötigt, sondern um die TCOM Anschlusskennung. Zur Erinnerung, wie ein TCOM-Zugang beschrieben werden kann:
    <Anschlußkennung><T-Online Nummer>#<Mitbenutzersuffix>@t-online.de


    Zumindest ein Teil der von Abmahnungen betroffenen Nutzer, versichern nie bei RedTube registriert zu sein.

  • Moin Moin,


    die Berichterstattung ist fast überall grotesk, alle schreiben irgendwas um bei google gefunden zu werden. Aber niemand hat Zeit oder Interesse das mal zu durchdenken. Am interessantesten wird es, wenn Filesharing Artikel mit Streaming Artikeln gemischt werden, dann wird plötzlich was von 25.000,00 EUR Streitwert schwadroniert.


    Zur Technik: ich habe diese Honig Pott Variante in meinen Beitrag aufgenommen, weil die Anrufer mich dazu befragen, halte aber nach wie vor eine einfache Weitergabe der Daten für am wahrscheinlichsten.


    Mit freundlichen Grüßen


    Dr. Alexander Wachs
    -Rechtsanwalt-

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