Brief an einen Abmahn-Anwalt

  • Gastbeitrag von

    Johnny Theisen



    Danke für Ihre kurze Stellungnahme, es freut mich sogar, dass Sie geantwortet haben. Dies gibt mir die Möglichkeit, Ihnen dies hier zu schreiben. Sicherlich gäbe es noch vieles mehr zu sagen, aber wie bei allem würde das den Rahmen sprengen. Das Wichtigste für Sie: Sie bekommen Ihr Geld, das wird geregelt.

    Allerdings, und das sage ich nun ganz frei nach meiner Meinung, was ja auch mein gutes Recht ist, werde ich sicherlich nie mehr im Leben einem Anwalt auch nur noch einen Cent geben, auch nicht zu meiner so genannten Verteidigung. Denn lieber begehe ich im Falle eines Falles Selbstjustiz und trage die Konsequenzen als eine mir nun sehr unbeliebte Zunft zu unterstützen. Es gibt Menschen, die kriegen den Hals nicht voll genug, und die ganze - aus meiner Sicht - Abzocke mit Abmahnungen sollte endlich aufhören! Vor allem rechtfertigt ein kleines Vergehen keine so hohen Summen, um Menschen zu bestrafen, die nicht einmal zuhause waren resp. eine Datei nur einmal kurz "angeladen" haben (das halbe Internet ist voll von solchen Fällen), also Menschen, die dann so gesehen nichts als Datenmüll auf ihrer Festplatte hatten, der gleich wieder gelöscht wurde. Aber das reicht, um abgemahnt zu werden. Und das ist sehr verachtenswert, dass das ganze noch von der Politik unterstützt wird und die Fristen so kurz gesetzt sind, dass der Abgemahnte sich nicht einmal ordentlich beraten und verteidigen kann! Sondern praktisch auf den ersten Anwalt springt, der Hilfe verspricht...

    Hoffentlich kommt einmal eine Zeit, wo man Anwälten solche Geschäfte verbieten wird. Denn, ich höre immer nur, dass Menschen abgemahnt werden, aber man hört nur sehr selten, dass Seitenbetreiber, die torrents oder andere Dateien anbieten, bestraft werden oder Seiten vom Netz genommen werden. Deshalb stelle ich mir doch an dieser Stelle die Frage, ob es denn nicht gewollt ist, dass man massenweise Menschen, sicherlich vor allem junge, darunter bestimmt viele Studenten, abmahnen kann und dies ein Geschäftsmodell wie jedes andere ist? So sehe ich das nun mal. Wenn Sie jetzt Verleumdung oder was auch immer sehen möchten, ist dem nicht so, ich sage nur meine Meinung. Die Anbieter von Musik und Spielen, Filmen, Büchern, Hörbüchern und anderer Software sollten sich mal einig werden und dann könnte man - und ich bin überzeugt, dass dies einmal kommen wird - über grosse Plattformen für eine Flatrate von meinetwegen 15 oder 20 Euro pro Monat sehr vieles ganz legal herunterladen. Ich inbegriffen würde dies nutzen, ich bin bei Amazon angemeldet und nutze auch Audible und Netflix und gehe auf die 50 zu.

    Dann wäre es auch schon besser und es gäbe kaum jemanden, der etwas illegal laden würde. Davon abgesehen würden viele Menschen ohnehin nichts kaufen, sie laden es einfach nur, weil sie es irgendwie irgendwo umsonst bekommen. Deshalb ist es schlicht übertrieben, wenn immer geklagt wird, es würde durch den illegalen Download ein dermassen hoher Schaden entstehen. Ich habe nie ein Spiel herunter geladen aber schon mal diverse Musikalben, das gebe ich ehrlich zu, und ich muss sagen, dass 90% davon gleich nach oder noch während des Downloads gelöscht wurden, weil es schlicht und einfach nicht mein Geschmack war, Radau so zu sagen, und später noch einmal einen guten Teil bei der "Feinanhörung"

    davon gelöscht wurde. Und bei diesem Kopieren sehe ich absolut kein Problem, zumal die Musik schon so alt war und so oft im Radio zu hören war, vor allem Rock aus den 70ern, dass ich dabei nicht einmal ein schlechtes Gewissen hatte. Ausserdem gibt es vieles bei youtube, das man auch mit speziellen Programmen ganz legal speichern kann, ohne dass man fürchten muss, dem "Anwaltswolf" in die Klauen zu rennen...

    Ich verstehe ja, dass niemand mag, wenn einem etwas geklaut wird, aber was mit den Massenabmahnungen in Deutschland abläuft ist eine Schande und dem müsste von Seiten der Politik und infolge des Konsumentenschutzes von vorne herein einen Riegel vorgeschoben werden.

    Nichts für ungut, ich kann verstehen, wenn Sie sich nun angegriffen fühlen, schliesslich stelle ich ja Ihr Brot in Frage. Aber, leider wurde die digitale Revolution m. E. verpasst und es wird weiterhin versucht, vehement ein Exempel, vor allem an jungen Menschen wie Studenten und "einigen anderen Uneinsichtigen", zu statuieren anstatt über andere Geschäftsmodelle nachzudenken. Nun, langsam aber sicher wird sich, aus Erfahrung wissen wir dies ja, die Vernunft durchsetzen und es wird auch immer lauter über alternative Modelle geredet.

    Das Ganze ist doch nichts anderes als eine Geldmaschinerie, die gut läuft, und der Staat verdient auf allen Abmahnungen auch noch dazu, vor allem an der Mehrwertsteuer, die die Anwälte zu entrichten haben, sprich, der Bürger ohnehin auch mitbezahlt. Es gibt die "bösen" Anwälte und es gibt die "guten" Anwälte. Selbstverständlich möchten alle leben und Geld verdienen. Wem kann man es verübeln? Und es wird noch eine gute Zeit mit den Massenabmahnungen so weitergehen. Leider! Und ich, ich werde nie mehr im Leben einen Anwalt unterstützen, dieser Berufsstand ist für mich nun dermassen verhasst und tabu. Das können Sie sicherlich auch nachvollziehen, ohne mir dies nun enorm zu verübeln, oder?

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