Diskussion Abmahnwahn

  • Weihnachten 2013 - Massenklägerischer Abmahnwahnsinn


    Auch in diesem Jahr glänzten einige Massenkläger durch "Tausende Klagen" an verschiedenen Gerichtsständen. Hier eine fiktive Jahreschlussrechnung.


    "Sehr geehrter Herr Reichteinhaber, wir erlauben uns heute eine Abrechnung für 2013 und die Maßnahme "Abmahnung Formel3000" vorzulegen.


    Von den 5.000 Klagen, die wir 2013 erhoben, sind 4.999 abgeschlossen. 1.500 der Beklagten versäumten Fristen, oder zahlten. 3.499 vergleichen zu 350,00€ bei Kostenaufhebung.


    Vereinbarungsgemäß berechnen wir für die Abmahnungen selbst 1.660.000,00€. Die Kosten für die Mahnbescheide belaufen sich auf 376.000,00€. Die Kosten für die Vergleiche lauten 682.305,00€. Die Kosten für die Zahler/Versämer machen 292.500,00€ aus. Das macht 3.010.805,00€ (ohne Mehrwertsteuer).


    An Eingängen verrechnen wir 1.015.500,00€ durch die Zahler. Die Vergleicher steuerten 1.224.650,00€ bei. Die Summe ergibt 2.240.150,00€, wovon Ihnen jedoch nur der Schadensersatzanteil zu Gute kommt. Bei den Zahlern sind dies 150,00€/Nase = 225.000,00€. Bei den Vergleichen anteilige 108,91€ = 381.093,85€.


    Die Gesamtdaten 2013 =
    Aufwendungen = 3.010.805,00€
    Erlöse = 606.093,85€
    Saldo = - 2.404.711,15€


    Sie müssen uns natürlich nichts mehr erstatten, denn aus den vorhergegangenen Abmahnaktionen zu 20.000 Abmahnungen wären Ihnen zwar 6.640.000,00€ an Rechtsanwaltskosten entstanden, die wir aber intern bei einer Zahlerquote von 40% bei 450,00€ und damit 3.600.000,00€ verrechnen können, wobei Ihnen zwar nur 944.000,00€ vertraglich zustünden, aber wir sind heute mal nicht so. Natürlich darf das nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Wir weisen auf die Sonderverschwiegenheitsverpflichtung von früher hin.


    Wir haben jetzt 3.600.000,00€ + 2.240.150,00€ eingenommen. Abzüglich der Gerichtskosten von 61.232,50€ bleiben dann noch 5.778.917,50€, die wir brüderlich aufteilen. Von Ihren 2.889.458,75€ ziehen wir Ihnen naber noch die Ermittlungs- und Beauskunftungspauschale pro erfolgter Abmahnung iHv 60,00€ ab: 1.200.000,00€. Es bleiben Ihnen noch 1.689.458,75€ übrig.


    Wir denken, dass dieses ein gutes Geschäft für sie und uns war und wünschen fröhliche Weihnachten.


    Ihre Abmahnkanzlei


    PS: Einer wehrt sich noch - den macht das Gericht aber eben fertig."

  • Leider sind solche Schreiben nicht zu beweisen.


    Die meisten Abmahnungen dienen dazu, gegen den Zuwiderhandelnden einen
    Anspruch auf Ersatz von Aufwendungen oder Kosten der Rechtsverfolgung
    entstehen zu lassen.

  • Amazon verramscht teilweise Weltklasse-CDs für einen Fünfer inkl. Versand.


    http://www.amazon.de/b/ref=gb1h_img_cin_2067_c73fcf63?ie=UTF8&node=1736008031&plgroup=1&smid=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_t=101&pf_rd_s=center-sign-in&pf_rd_r=06P5HT37XN0EJRKSQSSR&pf_rd_i=872398&pf_rd_p=457592067


    Klar, dass da das Abmahngeschäft mehr lohnt. Vor allem für die Hinterhofkünstler, die komischerweise sehr aktiv im Abmahnwesen mitmachen.


    Man nützt die Angst des Deutschen aus und kassiert ab. (macht die Versicherungsbranche auch, also was soll's)


    Ist das nicht abscheulich? :cursing:

  • Klar, dass da das Abmahngeschäft mehr lohnt. Vor allem für die Hinterhofkünstler, die komischerweise sehr aktiv im Abmahnwesen mitmachen.

    Ja, weil die feinen Herren den Schadensersatz nicht nach dem Preis für eine CD oder Video-CD berechnen,
    sondern was es kosten würde, wenn man eine Lizenz dafür kaufen wollte, um das jeweilige Werk
    öffentlich zu verbreiten. Und die überforderten Richter spielen fleißig mit!

  • Die GüFA Problematik: Aktivlegitimation und Schadensersatzansprüche in Tauschbörsen hinfällig?
    http://www.dr-wachs.de/blog/20…n-tauschborsen-hinfallig/


    Das wäre ein ganz schöner Hammer. Ich bin schon auf die Urteile gespannt. Hoffentlich berichtet Dr. Wachs darüber weiter. Verwunderlich nur, dass im Netz so wenig darüber diskutiert wird. Lassen sich wohl alles mehr von der Streaming-Nebelkerze ablenken, als sich mit den wirklichen Problemen des Abmahnwahns auseinander zu setzen. :S

  • Dir ist aber schon aufgefallen, dass die etwas reißerische Überschrift nur für die von RA Dr. Wachs angesprochenen Fälle gilt und nicht verallgemeinert werden kann?

    Dem ist nicht (ganz) so.


    Der "[lexicon]GEMA[/lexicon]-"Auszug aus dem Beschluss des LG Hamburg vom 08.02.2013, 308 T 2/13 wurde im Lauf des Jahres durch unterschiedliche Kammern des [lexicon]AG[/lexicon] Hamburg immer verstärkter ins Spiel gebracht und findet sich nun am Ende des Jahres auch bei rka/Techland-Klagen (so zB bei der Klagewelle zum Spiel "Call of Juarez") in Verfügungen, wobei wir hier berücksichtigen müssen, dass die Klagewelle zB noch aus dem Sommer gemeint ist... und hier die Mühlen besonders langsam mahlen.


    "Man" muss das Aktivlegitimations-Thema natürlich auch erstmal im Ansatz aufgreifen, wobei natürlich zwischen den unterschiedlichen massenklägerischen Rechteinhabern zu unterscheiden ist. Bei den Pornoherstellern, also den "echten" Herstellern der "Werke" ist das "[lexicon]GEMA[/lexicon]"-Argument gewichtiger, weils kaum andere gibt.


    Ich gehe allerdings davon aus, dass nicht nur die Kanzlei Dr. Wachs die Angelegenheit im Jahr 2012 "entwickelt" hat. :P

  • "[lexicon]GEMA[/lexicon]-"Auszug aus dem Beschluss des LG Hamburg vom 08.02.2013, 308 T 2/13


    Finde den Volltext nicht. Gibts den irgendwo nachzulesen?
    Bisher kenn ich [lexicon]GEMA[/lexicon]-Referenzen nur "andersrum": Die Abgabe weitreichender Rechte an die [lexicon]GEMA[/lexicon] schließt die Geltendmachung derselben gegenüber Urheberrechtsverletzern nicht aus.

  • Die Abgabe weitreichender Rechte an die [lexicon]GEMA[/lexicon] schließt die Geltendmachung derselben gegenüber Urheberrechtsverletzern nicht aus.

    (Keine Ahnung - ich such jetzt den Beschluss nicht.)


    1. Auch wenn ein Urherber Nutzung- und Verwertungsrechte ausschließlich an eine Firma weiter gegeben hat, darf er selbst ein berechtligtes Interesse entwickeln, eine unerlaubte Handlung an dem Werk zu unterbinden = Unterlassungsanspruch.


    2. Im Bereich des Schadensersatzes ist die Geltendmachung eines lizenzanalogischen Schadensersatzes jedoch "problematisch", da nach der ausschließlichen Übertragung auf eine weitere Firma diese Rechte nicht mehr übertragen werden können.


    Ist eigentlich nur logisch: Der Urheber bekommt ja sein Geld - wo soll ihm da noch ein Schaden bei einer unerlaubten Handlung entstehen? Er kann ja nur dann einen Schaden erkennen, wenn er an dem Verkauf des Werks über Tantiemen partizipiert. Dieser Schaden ist aber doch eher konkret zu berechnen, bzw. erst einmal offen zu legen.


    So erst einmal der Ansatz. Für das weitere bräuchte man dann genauere Daten und Urteile.

  • ....

    Nur im Übrigen und aus aktuellem Anlass....


    Es liegen nun mehrere Klagen der Condor GmbH vor, in denen das Werk "Babysitter Wanted" der KSM GmbH eine Rolle spielt. Darunter ist auch ein gewisser Prozentsatz, in dem es um eine spezielle "Uncut"-Version ging, die nicht von KSM, sondern nach Weiterlizensierung durch KSM von der NSM Records GmbH, residierend in Österreich veröffentlich wurde, was in den Klagebegründungen natüüüüürlich nicht thematisiert wird.


    Auch hier kann - falls überhaupt - die KSM nur anteilige Schadensersatzforderungen stellen. Hierfür müssen aber dem Gericht zur Schätzung des angemessenen Betrages vollständige Unterlagen zur Verfügung gestellt werden. Bislang fehlt es an solchen Unterlagen in allen bekannten Fällen (von Tasa bis Techland bis sonstwem), was zur Klageabweisung in diesem Bereich führen sollte.

  • @all





    So das Jahr neigt sich
    dem Ende zu und nicht nur das Jahr auch viele Abgemahnte können morgen ihre
    [lexicon]Verjährung[/lexicon] feiern ( ja noch nicht ganz 100% )



    Hier mal schon vorab ein
    Glückwunsch an all die jenigen



    Wenn ich bei mir zurück
    denke ist es jetzt auch schon das zweite oder dritte Jahr her mit der
    [lexicon]Verjährung[/lexicon] , und was hatte ich am anfang für eine Panik .



    Die einzigste Investition
    waren 6,90€ für die [lexicon]mod.UE[/lexicon] per
    Einschreiben und dann auf Taub gestellt auch als ein weiterer Bettelbrief kam.



    Auch Dank an das damalige
    Forum Netzwelt das mir damals sehr weiter geholfen hat und die Angst genommen
    hat .



    Aber auch hier im Forum Interessen Gemeinschaft gegen den AbmahnWahn
    gibt es ja immer nützlich Beiträge deswegen macht auch im nächsten Jahr weiter
    so



    Dann wünsche ich euch allen einen guten Rutsch
    ins hoffentlich Abmahnfreie NEUE JAHR 2014



    Lg

  • Ich möchte mich Deiddel anschließen und Allen ein Gutes Neues Jahr 2014 wünschen.


    Bei mir ist die Abmahnung von Kornmeier das zweite Jahr verjährt. Damals war auch bei mir Panik. Mod UE und sonst nix.


    Ich lese trotzdem regelmäßig mit, auch wenn ich nicht mehr betroffen bin.


    Danke an Alle, die im Forum Hilfestellung, natürlich ohne Rechtsberatung, geben.


    Gruß


    Wallerkalle

  • Moin!


    habe heute ein Schreiben vom [lexicon]Amtsgericht[/lexicon] erhalten und meine Frau auch ist es möglich beiden zu widersprechen (ich exdra und meine Frau extra) und dies dann in einem Briefumschlag zu legen?


    ist die auch Form gerecht


    frage nur, da ich mir die Postgebühren für 2 Briefe sparen möchte! ?(