Beiträge von 2009er

    So, Leute, hier nach langer Zeit mal wieder ne Nachricht von mir: Nach 10jähriger Frist kann ich nunmehr mit Freude und Stolz meine endgültige Verjährung bekannt geben.

    Nachdem ich 2009 abgemahnt wurde, entdeckte ich dieses Forum (damals noch bei netzwelt.de) und verhielt mich so, wie hier allgemein empfohlen wird: modUE + nichts. Außer den üblichen Bettelbriefen (bis Stufe 5) kam von WF dann auch nichts mehr, sodass ich 2013 hier meine Verjährung kundgegeben und dem Forum als Dankeschön eine Spende überwiesen habe.

    Nach dem BGH-Urteil von 2016 (Erhöhung der Verjährungsfrist für den Lizenzschadensersatz auf 10 Jahre) wurde es dann noch mal spannend, da fraglich war, ob ich zu denjenigen Altfällen gehören würde, die WF erneut versucht abzuzocken. Doch es kam von denen nichts mehr.

    Die Moral von der Geschicht’ für alle noch nicht Verjährten lautet folglich: Die Füße still halten und nichts weiter tun als abwarten und Tee trinken!

    In diesem Sinne wünsche ich allen ein geruhsames Jahr 2020!

    @ottelo,
    es empfiehlt sich, bevor man sich hier im Forum auslässt, den [lexicon]Grundkurs[/lexicon] zu lesen und einen Blick auf Seite 1 zu werfen, wo die 9 Stufen der einzelnen Schreiben bei Abmahnungen von WF erläutert werden.
    Wenn Du das gelesen hättest, wüsstest Du, dass Du gerade bei Stufe 5 angekommen ist. Auf Seite 1 heißt es dazu:
    "5. Vorbereitung Klageerhebung abgeschlossen (verschärfter Bettelbrief -- abheften )".
    Nach allgemeiner Erfahrung ist für den größten Teil der nichtzahlenden Abgemahnten an dieser Stelle Schluss; sie hören bis zur [lexicon]Verjährung[/lexicon] nichts mehr vom WF (so erging es z.B. auch mir). Der andere Teil bekommt irgendwann - meist erst kurz vor der [lexicon]Verjährung[/lexicon] - einen [lexicon]MB[/lexicon]. Aber auch die meisten der [lexicon]MB[/lexicon]-Empfänger hören anschließend nie wieder etwas von WF; nur eine kleine Minderheit wird verklagt. Wie Du dem Ornigramm über den AM-Ablauf entnehmen kannst, muss nur maximal 1 Prozent aller Abgemahnten damit rechnen, verklagt zu werden. Das betrifft allerdings Filesharing-Abmahnungen im Allgemeinen. Da WF zu den klagefreudigeren Abmahnern gehört, dürfte hier die Klagequote etwas höher sein, aber sicherlich kaum höher als 2 Prozent.
    Nun kannst Du selber entscheiden, ob Du angesichts dieser Prognose zahlen willst oder nicht.

    Ist das schon Punkt drei?


    Nein, Du bist erst bei Stufe 2.
    Stufe 3 kannst Du daran erkennen, dass die Betreffzeile "Zahlungsaufforderung vor Klageerhebung" lautet. Es ist völlig normal, dass Abgemahnte bald nach der Abgabe der [lexicon]modUE[/lexicon] ein Schreiben von WF bekommen, in dem ihnen der Eingang der [lexicon]modUE[/lexicon] bestätigt wird und in dem ihnen mit Klage gedroht wird, falls sie nicht zahlen.
    In der Regel vergeht nach Stufe 2 eine Weile bis 3, während dann zwischen 3 und 5 nur kurze Abstände liegen. Die Bettelbriefe haben die Funktion, Dich in den Glauben zu versetzen, dass jetzt unweigerlich die Klage folgt, falls Du nicht zahlst. Dass diese Drohung in den allermeisten Fällen eine leere Drohung ist, hast Du sicherlich schon im Forum ermitteln können...

    Für mich stellt sich der Nachteil so dar, dass ich wenn ich meine [lexicon]modUE[/lexicon] erweitere, natürlich das Risiko einer Vertragsverletzung sich mit der Anzahl der Werke erhöht

    Ich würde mir wegen der Abfassung der mod. UE nicht so viel Gedanken machen. Nach meinem Eindruck wird von den Abgemahnten die Bedeutung, die die Abmahnindustrie der (mod.) UE zukommen lässt, oft überschätzt. Ich verfolge dieses Forum (bzw. dessen Vorgänger bei NW) schon seit meiner eigenen AM im Herbst 2009, und ich kann mich nicht erinnern, dass hier jemals davon berichtet worden wäre, dass jemand im Prozess Nachteile wegen einer ungeschickt abgefassten mod. UE gehabt hätte.
    Dass das so ist, erklärt sich meines Erachtens damit, dass wir es bei den von der Abmahnindustrie kommenden Abmahnungen nicht mit normalen Abmahnungen zu tun haben (die dazu da sind, jemanden auf ein rechtswidriges Verhalten aufmerksam zu machen), sondern mit dem MISSBRAUCH des Instruments der Abmahnung für einen ganz anderen Zweck, nämlich für den Zweck des Gelderwerbs. (Weil das so ist, wird übrigens im Wikipedia-Artikel "Abmahnung" das Kapitel, in dem die Praxis der Abmahnindustrie erläutert wird, völlig korrekt unter die Überschrift "Missbrauch" gestellt.) Die Abmahnindustrie hat ja gar kein Interesse daran, dass die Abgemahnten ihr "rechtswidriges" Verhalten ändern. Im Gegenteil: Sie hat ein Interesse daran, dass es auch weiterhin Filesharer gibt, die sie schröpfen kann!

    In diesem Fall sehe ich mich halt der Drohkulisse gegenüber und obwohl ich weiß, dass alles davon aufgebauscht formuliert ist, teilweise auf tönernen Füßen steht und das Risiko (Klage/Vergleich im Extremfall), das ich eingehe 99%ig kalkulierbar ist, werde ich das Gefühl nicht los, dass das Begleichen der Forderung das geringere Übel ist und mir eine Menge Ärger erspart.

    Ich bin immer wieder aufs Neue fassungslos, wenn ich höre oder lese, wie zahlungsbereit viele Abgemahnte sind, obwohl nach der Lage der Fakten ALLES für Nichtzahlen und NICHTS fürs Zahlen spricht. Früher glaubte ich immer, derartiges Verhalten sei allein auf Unwissenheit zurückzuführen. Inzwischen aber weiß ich - und zwar nicht nur aus Fällen hier im Forum, sondern auch aus Fällen aus meinem Bekanntenkreis -, dass sehr viele Zahler im vollen Bewusstsein darüber handeln, dass das Klagerisiko bei Filesharing-Abmahnungen unter 1 Prozent liegt und dass man sich beim Erhalt einer Klageschrift noch immer vergleichen kann, sodass man im Klagefall kaum höhere Kosten zu tragen hätte als den Betrag, den der Abmahner ohnehin fordert. Leute, macht Euch doch mal klar: Wer sich fürs Nichtzahlen entscheidet, muss mit 99prozentiger Wahrscheinlichkeit gar nichts zahlen (außer das Porto für die [lexicon]modUE[/lexicon]) und mit 1prozentiger Wahrscheinlichkeit ungefähr denselben Betrag, der ohnehin gefordert wird (sofern man sich nach dem Erhalt der Klageschrift vergleicht). Angesichts dessen ist es doch vollkommen absurd, wenn man aus Furcht, 1000 Euro zahlen zu müssen, 1000 Euro zahlt. Das ist in etwa so, als würde man aus Angst vor dem Tod Selbstmord begehen. Hinzu kommt, dass solches Verhalten das Abmahnunwesen überhaupt erst möglich macht...

    Jetzt sollen wir also alle Krokodilstränen um die so anständige Firma WF weinen...
    RA Dr. Wachs schreibt hier als Profiteur der Abmahnindustrie. (Überflüssig zu erwähnen, dass die Anti-Abmahner-Anwälte genauso zur Abmahnindustrie gehören wie die Abmahner selbst.) Ich erinnere mich, dass er schon im alten Forum immer mal wieder Angstmache betrieben hat und versucht hat, uns vom Nichtzahlen abzuhalten, indem er das große Klagerisiko bei WF beschworen hat. Nichts von diesen Prophezeihungen ist eingetreten. Obwohl WF zu den klagefreudigeren Abmahnern gehört, bewegt sich nach wie vor die Klagewahrscheinlichkeit tief im einstelligen Prozentbereich. Natürlich hat die Abmahnindustrie ein Interesse daran, dass diese "geschäftsschädigende" Erkenntnis nicht allgemein bekannt wird.
    Es ist überhaupt einigermaßen bezeichnend, dass sich die Anti-Abmahner-Anwälte hier im Selbsthilfeforum zu Wort melden, da ja ihre Interessen unseren Interessen teilweise diametral entgegengesetzt sind. Wir sorgen schließlich durch gegenseitige Information dafür, dass wir gerade OHNE die Hilfe von Anwälten auskommen können. Wer als Abgemahnter gut informiert ist, weiß, dass er einen [lexicon]Anwalt[/lexicon] - wenn überhaupt - nur im Fall einer Klage braucht.
    Besonders ärgerlich ist, dass Wachs einen Keil zwischen die "zurecht" und die "zuunrecht" Abgemahnten zu treiben versucht. Den "zurecht" Abgemahnten ein schlechtes Gewissen zu machen, hilft aber nur wieder der Abmahnindustrie. Wir sollten uns auf eine solche Argumentation nicht einlassen, sondern sollten ALLE Abgemahnten gleichermaßen als Opfer sehen - einerlei, ob sie "Täter" (bzw. "Störer") sind oder nicht!